Demokratiekonferenz

Politische Bildung als Schwerpunkt der Damokratiekonferenz: Veranstaltung am 5. November

„Was ist politische Bildung?“: Diese Frage soll bei der Demokratiekonferenz am Dienstag, 5. November, im Atriumsaal der Siegener Siegerlandhalle beantwortet werden. Die Organisation der Veranstaltung, die um 16.30 Uhr beginnt, übernehmen die Diakonie in Südwestfalen Soziale Dienste und die Universitätsstadt Siegen.

Als Referent konnte Jun-Prof. Dr. Alexander Wohnig (Universität Siegen) gewonnen werden. Nach der Begrüßung von Bürgermeister Steffen Mues beleuchtet er die Aufgaben und Herausforderungen politischer Bildung vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Im Anschluss steht er für Fragen bereit. Als zweiter Teil der Veranstaltung ist eine „szenische Führung“ des Jugendensembles des „Jungen Theaters Siegen“ geplant. Den Konferenz-Teilnehmern geben die Akteure einen Einblick in Sicht- und Lebensweisen der Zwangsarbeiter, die in der Zeit des Nationalsozialismus und auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg noch, im Siegerland lebten.

Die Demokratiekonferenz ist Bestandteil des Bundesprogramms „Demokratie leben“ und wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Die Veranstaltung ist barrierefrei zugänglich und wird von Gebärdendolmetschern begleitet.

Anmeldungen sind bis zum 30. Oktober bei Anna Butzek per E-Mail an anna.butzek@diakonie-sw.de oder unter Telefon 0271/5003 101 erforderlich.

Den Flyer zur Veranstaltung gibt es hier: Einladung_Demokratiekonferenz_2019

Demokratiekonferenz 2018: Das neue Gesicht des Rechtsextremismus

Toleranz, Demokratie und Wahrung der Menschenrechte: Für diese Attribute setzt sich das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit“ des Bundesfamilienministeriums ein. Zu den Programmpunkten zählen regelmäßig stattfindende Demokratiekonferenzen, zu der die Diakonie in Südwestfalen gemeinsam mit der Universitätsstadt Siegen nun ins Freie Evangelische Gemeindehaus an den Fischbacherberg einlud.
„Als Zentrum des Rechtsextremismus ist Siegen nicht uninteressant“, leitete Referent Stephan Klenzmann seine Ausführungen ein. Der Mitbegründer der Initiative „Siegen Nazifrei“ umriss die „Rechtsradikale Szene im Siegerland von 1990 bis heute“ und stellte dabei klar heraus: „Wehret den Anfängen – für diesen Slogan ist es bei uns schon viel zu spät.“ Als jüngste Beispiel nannte Klenzmann den 2016 erfolgten Brandanschlag auf eine Wilnsdorfer Flüchtlingsunterkunft oder den seit rund vier Jahren aktiven „III. Weg“, ein Zusammenschluss von im Sieger- und Sauerland bekannten Rechtsextremen, die neue Mitglieder beispielsweise mit Aktivitäten in Sachen Tierschutz anwerben. „Damit schlagen sie eine Brücke zum Nipstertum, einem Lebensstil der jungen Neonazi-Szene, die unter anderem durch eine vegane Ernährung definiert ist“, erläuterte Klenzmann. Und weiter: „Einen Nationalsozialisten erkennen Sie heute nicht mehr am Aussehen. „Sie sind überall zu finden, ob als versteckte Masse im Internet, in Firmen, Gewerkschaften oder – ganz offen –als Reichsbürger.“
Welche rechtsextremen Dynamiken in der Gesellschaft zu finden sind, stellte Dr. des Johannes Kiess (Uni Siegen) heraus. Er ist Mitarbeiter der alle zwei Jahre erscheinenden Leipziger Autoritarismus-Studie. Anhand von repräsentativ geführten Interviews in ganz Deutschland werden die rechtsextremen Tendenzen der Bevölkerung erfasst. 2018 nahmen rund 2400 Freiwillige an der Studie teil. Auffallend: „Es scheint, als würde in der Gesellschaft zwischen guten und schlechten Ausländern unterschieden. Die Abneigung gegen bestimmte Gruppen, wie etwa Sinti und Roma oder auch Muslime, nimmt immer weiter zu“, schlüsselte Kiess auf. Zudem verzeichnete das Studien-Team eine Zunahme der autoritären Aggression gegen Asylsuchende bundesweit. Diese „Ablehnung des Andersartigen“ werde dadurch verstärkt, dass sich die Bürger oftmals nicht ernst genommen fühlen, „etwa bei Grabenkämpfen, wie jüngst zwischen Merkel und Seehofer“, so Kiess. Diese These wurde in der anschließenden Diskussion bestätigt: „Die Politik muss handeln. Sonst driften links und rechts immer extremer auseinander – und die Mitte stirbt aus“, brachte es ein Zuhörer auf den Punkt.
Wie „Demokratie im Alltag“ funktionieren kann: Dieser Impuls von Andrea Dittmann, Vorstandsvorsitzende der gleichnamigen Hoppmann-Stiftung, ging den Vorträgen voraus. Mit dem Erfahrungsfeld „Schön und Gut“ unterstützt ihre Organisation unter anderem den Sport- und Freizeitpark am Fischbacherberg, „um benachteiligten Kindern und Jugendlichen etwas zu geben, das wertvoll ist“.

Demokratiekonferenz 2017: Gegen Ausgrenzung und für Gleichberechtigung

Islamophobie und Antisemitismus als Formen des Rassismus werden in der Gesellschaft oft gleichgesetzt. Ob dies annehmbar ist und welche Bedeutung hinter den Begriffen steckt, hat Alex Feuerherdt, freier Publizist aus Köln, vor rund 80 Besuchern in der Siegener Blue Box erläutert. Dabei machte er sich gegen Ausgrenzung und für Gleichberechtigung stark. Anlass war die 2. Demokratiekonferenz der Integrationsagentur der Diakonie in Südwestfalen und der Universitätsstadt Siegen. Für ein buntes Siegen ohne Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit plädierte der stellvertretende Bürgermeister Jens Kamieth in seiner Begrüßung. In diesem Jahr förderte das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend insgesamt 17 Projekte in Siegen, über die sich die Besucher informieren konnten.

Feuerherdt erklärte die Begriffe Antisemitismus, Rassismus und Islamophobie und stellte Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede vor. Während, so Feuerherdt, ein klassischer Rassist oft mit der staatlich organisierten Abschiebung seiner Hassobjekte, die er unter anderem für triebhaft, schmutzig, faul oder kriminell hält, ruhig zu stellen sei, gehe es dem Antisemiten darum, seine Feinde auszulöschen.

Für eine negative Einstellung gegenüber Islam und Muslimen tauchte in den späten 1980er-Jahren das Wort Islamophobie auf. Phobie steht im Altgriechischen für „Angst”. Gemeint sei ein auf den Islam oder Muslime bezogenes starkes Gefühl von Furcht. Gesellschaftlich würden Islamophobie und Antisemitismus oft gleichgesetzt und bloß durch die Gruppe der Opfer unterschieden ─ zum einen Muslime und zum anderen Juden. Feuerherdt sprach dagegen: „Antisemiten sehen das Judentum nicht als Religion sondern als fremde, bedrohliche Rasse an, die ausgelöscht werden soll – ein Wunsch, der in der Islamophobie nicht besteht.“ Diesen Begriff stellte der Referent infrage, da eine Feindseligkeit gegen Muslime nicht bloß übertriebene Angstgefühle meine. Er sprach von Ressentiments – gefühlsmäßige, unterschwellige Abneigungen, die von Vorurteilen begleitet sind. „Ein Ressentiment ist für mich die stärkste Form der Ablehnung.“ Doch was tun gegen Menschenfeindlichkeit? Aufzuklären, Vorurteile anzuzweifeln und Personen mit den Folgen menschenfeindlicher Taten konfrontieren, seien erste Anhaltspunkte. Dazu zeigte die Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) der Universität Siegen einen Film über Religionsfreiheit, Akzeptanz und gegenseitigen Respekt. An Infoständen erfuhren die Besucher welche Projekte in diesem Jahr gefördert wurden – darunter „Demokratierundreise 2017“, „Unheimliche Heimat-Stolpersteine der Erinnerung“, „Herkunft sucht Heimat“ oder „Tag der Religionsfreiheit“.